Es wird parallele Ansätze zur Servicemodellierung geben

BiPRO: Sie haben bereits eine Vielzahl von BiPRO-Normen-Implementierungen durchgeführt, woran arbeiten Sie gerade?

Sasha Justmann: Wir engagieren uns weiterhin stark in den Digitalisierungsoffensiven, aktuell zu Schaden und Bestandsprozessen und binden zeitgleich die dort entstehenden Implementierungen in unserem Maklerverwaltungsprogramm sowie unseren Clients für BiPRO-Prozesse ein. Dabei liegt unser Fokus auf der Unterstützung der Versicherungsgesellschaften als fachlicher und technischer Projektpartner bei der Serviceumsetzung, sowie auch gerne als Pilotanbindung. Unsere clientseitigen Aufgaben als Consumer haben wir dabei bereits vor einiger Zeit erfolgreich fertiggestellt und stehen, unter anderem mit Kunden wie der MLP Finanzberatung SE, in den produktiven Startlöchern.

BiPRO: Das Projekt Maklermandat ist vor Kurzem beendet worden und Sie bereiten schon jetzt die Implementierung vor. Wie gehen Sie generell die Umsetzung von Normen an?

Justmann: Wir gehen grundsätzlich so vor, dass unsere IT bereits während der Projekte und  bereits direkt nach den Releases in die Implementierung im Entwicklungssystem startet. Auf diese Weise können wir frühzeitig Implementierungserfahrung, Praxisfälle, Qualitätssicherung und qualitatives Feedback während des laufenden Normungsprozesses einfließen lassen. Bezogen auf das Projekt Maklermandat, haben wir mit der MLP Finanzberatung SE unsere Anwendung für die Bestandsübertragungen per BiPRO Norm 490 bereits erfolgreich im Einsatz. Da es logischerweise zum jetzigen Zeitpunkt an einer Anbindung auf Providerseite mangelt, bilden wir einen eigenen virtuellen Providerendpunkt ab, der die Anfragen vorübergehend wieder in E-Mails und Briefe umwandelt.

BiPRO: Die Normierung ist das Eine, das tatsächliche Implementieren das Andere. Hier liegen in den einzelnen Unternehmen oftmals größere Zeitspannen dazwischen. Wie lässt sich, aus Ihrer Erfahrung heraus, die Umsetzung von Normen beschleunigen?

Manuel Schmalz: Es gibt sicherlich mehrere Aspekte, an denen man ansetzen könnte. Einen großen Einfluss haben sicherlich First Mover in einem Projekt, die idealerweise aus einem spürbaren Schmerz heraus handeln und damit in der Lage sind, eine kleine Gruppe an Marktteilnehmern von dem Vorhaben zu überzeugen. Genau die Energie des Schmerzes bringt die Geschwindigkeit. Je kleiner die Gruppe, desto größer die Wahrscheinlichkeit einer effizienten Einigung zur Umsetzung von ausgewählten Stories. Häufig trat man in der Vergangenheit dann erstmal auf die Umsetzungsbremse und es wurde jeder eingebunden, den das Thema latent interessierte. Auch wenn durch kleinere Gruppen die nicht zu vernachlässigende Gefahr besteht, vermeintlich wichtige Punkte außen vor zu lassen, sollte besser sofort begonnen werden, wohlwissend, dass es dann mehrere Zyklen zur perfekten Lösung braucht. Für die anderen Interessierten, die sich in diesem frühen Stadium noch nicht beteiligen können, stellt das nicht etwa einen Ausschluss dar, eher eine Vereinfachung, auf einer validierten Basis aufzusetzen. Im Grunde kommen hier genau die agilen Konzepte zum Tragen, über die aktuell unter der Überschrift „RNEXT“ gesprochen wird.

BiPRO: Lassen sich möglicherweise Verfahren aus den Digitalisierungsoffensiven, in denen sich die Mitglieder auf konkrete Umsetzungsziele festlegen, auf die Normierungsprojekte übertragen?

Schmalz: Hier sehe ich ein entschiedenes „JA“. In den Digitalisierungsoffensiven (DIO) ist die Methode der Implementierungsstufen „geboren“ worden und das ist die bereits erprobte Maßnahme, um große und/oder komplexe Themen kleiner und einfacher zu schneiden. Hier wird ein abgestimmter Scope in übersichtliche Pakete kleinster gemeinsamer Nenner gepackt und gemeinsame Meilensteine definiert. Zu diesen Meilensteinen sind aufeinander aufbauend gemeinsame Implementierungen möglich. Idealerweise beginnt man mit einfachen UseCases, die im Optimalfall sehr häufig vorkommen. So hat man nach kurzer Zeit kollektive Erfolgserlebnisse und kommt beschleunigt vom Wollen zum Machen.

Wenn man dem folgend die Definition von Implementierungsstufen nun schon in den KickOff eines Projektes vorziehen würde, könnte man damit sicherlich auch die Normierungsprojekte beschleunigen. Alles in allem ist diese Herangehensweise aus den DIO’s bereits ein wichtiger Vorbote für die Ideen von „RNext“ gewesen.

BiPRO: Mit RNext steigt der BiPRO e.V. in neue Releasegeneration ein. Warum setzen Sie dennoch auch auf das Release 2?

Justmann: Wir sehen der Umsetzung und dem fachlichen Ansatz von RNext mit Freude entgegen, da es sowohl zu unserem fachlichen wie technischen Umfeld sehr gut passt. Die Ansätze die in RNext stecken sind nach unserem Dafürhalten ein tragfähiger Schritt in noch effizientere Normungsprozesse und bilden einen zukunftssicheren, breit akzeptierten Technologie Stack auch für branchenübergreifende Kooperationen. Dies vorausgeschickt empfinden wir jedoch nicht, dass das Release 2 damit zur Folge all dies nicht abbilden kann – es ist liegt eben ein anderer Ansatz zu Grunde. Mit dem Release 2 hat der Markt ein funktionierendes Modell im Einsatz, mit dem sich die gewünschte Funktionalität sehr gut abbilden lässt. Darüber hinaus gibt es eine Vielzahl an qualitativen Implementierungen zwischen aktiven Partnern, die stetig weiterentwickelt werden. Darüber hinaus findet eine erkennbare Weiterentwicklung bei allen Marktteilnehmern auf Release 2 statt. Auch deshalb glauben wir, dass nach wie vor eine hohe Investitionssicherheit in Release 2 steckt und sich dies die nächsten Jahre auch nicht ändern wird. Es ist nicht die Frage zu stellen ob RNext oder R2, sondern vielmehr wie man effizient verschiedene Ansätze der Servicemodellierung parallel anbieten kann.